Schalke 04 verleiht Ernst Alexander Auszeichnung

Der Geruch von Tod über den Tellern: Mit dem Theaterprojekt „Reisegefährten“ hat der Internationale Unternehmerverband Ruhrstadt geflüchteten und zugewanderten jungen Menschen ermöglicht, sich Gehör zu verschaffen. Dieses Engagement für Integration ehrte der FC Schalke 04 am Samstag (2.2.) mit der Ernst Alexander Auszeichnung.

Attila Öner erinnert sich eindringlich an den Schockmoment. Da sitzt der Vorsitzende des Internationalen Unternehmerverbands Ruhrstadt e.V. (IntUV) mit zahlreichen Gästen und genießt: das gediegene Ambiente im Foyer des Musiktheaters im Revier (MiR), das Filetsteak, das Bühnenstück der Gelsenkirchener Max-Planck-Gymnasiasten – und plötzlich weht der Geruch von Toten über die Teller.

Ein Mädchen hat allen eine Vorstellung davon gemacht, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein. In Afghanistan verbietet ihr die Mutter, zum Spielen nach draußen gehen, weil es dort „nach Toten riecht“. Der Vater lebt nicht mehr. Wer ihn umgebracht hat, bleibt offen. Die Teufel werden mehr in den Kriegsländern der Erde.

Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren aus Afghanistan, Syrien, Irak und anderen Krisenregionen sowie deutsche Schüler aus einer mehr als behüteten Welt fanden in den „Reisegefährten“ zusammen. Der IntUV hat das von Lehrer Christian Fischer konzipierte Stück finanziert, das MiR hat es durch eine Theaterpädagogin begleitet. Die ausländischen Schüler lernen durch Vorbereitung und Aufführung die deutsche Sprache, die wichtigste Grundlage für Integration. Tatsächlich entfalten die „Reisegefährten“ wesentlich größere Kraft.

Die jungen Menschen haben wieder so etwas wie Schutz gespürt, das Vertrauen entwickelt, ihre schrecklichen Erlebnisse anderen erzählen und sich so ein Stück weit von dieser Last befreien können. War mancher anfangs introvertiert und traurig, ist er nach mehr als einem Jahr wie verwandelt, positiv und selbstbewusst.

Die deutschen Mitschüler, die im Herzen Europas in Frieden und Sicherheit aufwachsen, merken, dass geflüchtete Menschen keine Gefahr für unsere Gesellschaft sind und dass wir ihnen nicht nur helfen müssen. Sondern, dass sie eine Bereicherung sind.

Peter Peters, Vorstand Finanzen und Organisation des FC Schalke 04: „Mit der Ernst Alexander Auszeichnung wollen wir Engagement für Integration, Vielfalt und Toleranz auszeichnen. Der Internationale Unternehmerverband hat diesen Anspruch mit dem Theaterprojekt herausragend erfüllt. Er agiert damit heute als Brückenbauer zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft – ein bedeutendes Zeichen, das das Andenken an unseren jüdischen Spieler Ernst Alexander bewahrt.“

Über die Ernst Alexander Auszeichnung

In Erinnerung an seinen in Auschwitz ermordeten jüdischen Spieler vergibt der FC Schalke 04 gemeinsam mit der Stiftung Schalke hilft! die Ernst Alexander Auszeichnung. Damit wollen die Königsblauen öffentliches Engagement ehren für Demokratie, Menschenrechte und ein friedliches Miteinander sowie gegen Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus, Extremismus und Gewalt.

 Die mit 1904 Euro dotierte Auszeichnung wird jeweils rund um den Geburtstag von Ernst Alexander am 5. Februar verliehen und ist fortlaufend ausgeschrieben. Einzelpersonen, Initiativen, Fanclubs, Schulen, Gruppen, Vereine und Projektträger können sich selbst bewerben oder von Dritten vorgeschlagen werden (schalkehilft@schalke04.de). Bei der Form des Engagements bestehen keine Einschränkungen, es kann zeitlich befristet oder unbefristet sein.

Mehr zum Engagement des FC Schalke 04 findet Ihr hier.

Bild- und Textnachweis: FC Schalke 04


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